Halbvegetarischer Burger, voller Fleischgenuss: Die Gründer von REBEL MEAT wollen die Fleischindustrie aufmischen

Die Welt ein Stück besser machen, das ist die Mission von Cornelia Habacher, Philipp Stangl und Wolfgang Haidinger. Die Start-up-Unternehmer aus Wien machen mit REBEL MEAT etwas, was bislang noch keiner versucht hat: Sie mischen Burger-Patties zur Hälfte mit Bio-Kräuterseitlingen, Bio-Hirse sowie Bio-Gewürzen – und versprechen trotzdem eine hundertprozentige Fleisch-Experience.

Wozu das Ganze? Ganz einfach: Es geht ums Klima. Denn übermäßiger Fleischkonsum hat sehr viele negative Umweltauswirkungen. Mit ihrer Produktionsweise wollen die drei Gründer Treibhausgase senken sowie Wasser und landwirtschaftliche Flächen sparen. Besser für die Gesundheit ist das Ganze auch noch, denn die Patties enthalten mehr Ballaststoffe, weniger Cholesterin – und Fett ist auch weniger drin. Mit REBEL MEAT können Fleischesser also bewusster und auch noch gesünder essen, ohne zu verzichten.

Mehr dazu hat uns Philipp Stangl erzählt, als wir ihn im Rahmen der EIT Climate-KIC Demo Days 2019 für ein Interview trafen.

Philipp, was ist REBEL MEAT?

Wir entwickeln Fleischprodukte, die zu hundert Prozent wie Fleisch schmecken, aber nur zu 50 Prozent aus Fleisch bestehen. Damit wollen wir Fleischessern, für die vegetarische Gerichte aktuell noch ein zu großer Kompromiss sind, eine Möglichkeit bieten, trotzdem ein bisschen weniger Fleisch zu essen – und sich somit gesünder und umweltfreundlicher zu ernähren.

Was bedeutet das konkret – gesünder und umweltfreundlicher?

Das Fleisch, das wir verwenden, hat eine sehr hohe Qualität. Es stammt ausschließlich von glücklichen Kühen, die nur Gras fressen und kein Soja aus Brasilien. Fleisch verursacht, vor allem, wenn es industriell hergestellt wird, viele Probleme – von Antibiotika-Rückständen über Wasserverschmutzung bis zu Abholzung und so weiter. Dagegen wollen wir angehen.

Wir verwenden zu einhundert Prozent biologische Zutaten. Außerdem benötigt unser Produkt im Vergleich zu herkömmlichen Produkten sehr viel weniger Ressourcen. Das liegt daran, dass beispielsweise die fleischlosen Zutaten, die wir verwenden – wie Pilze – generell weniger Ressourcen brauchen und kontrolliert wachsen können.

Warum habt ihr euch REBEL MEAT genannt?

Uns war es ganz wichtig, dass das Wort „Fleisch“ im Namen vorkommt, um Fleischesser anzusprechen. Diese fühlen sich heutzutage oft nicht angesprochen von vegetarischen Produkten. Andererseits wollen wir komplett neu denken – was Fleischreduktion und am besten verfügbare Qualität angeht. Daher das „Rebel“ im Namen.

Was ist euer Hintergrund? Und wie kommt ihr darauf, in der Fleischbranche zu „rebellieren“?

Wir haben uns alle drei gefunden, weil wir alle die großen Probleme in der Fleischindustrie gesehen haben. Gemeinsam wollten wir da einfach etwas tun. Wolfgang Haidinger ist gelernter Koch und Unternehmer, Cornelia Habacher ist Molekularbiologin und ich komme aus der Start-up-Welt und habe schon mal ein Food-Start-up gegründet.

Kennengelernt haben wir uns durch gemeinsame Freunde. Wir alle haben denen parallel die Ohren über das Fleischindustrieproblem vollgelabert und über die großen Chancen, die es mit sogenannten „Alternativ Proteins“ gibt. Bis unsere Freunde irgendwann gesagt haben: „Wisst ihr was, sprecht doch ihr miteinander und dann können wir wieder über was anderes reden.“ Das haben wir dann getan – und jetzt sind wir ein Team.

Welche Kunden sprecht ihr mit REBEL MEAT an?

Wir sprechen auf der einen Seite Menschen an, die weniger oder bewusster Fleisch essen möchten. Für die aber aus verschiedenen Gründen eine komplett vegetarische Ernährung ein zu großer Kompromiss ist. Andererseits gehören auch die Menschen zu unserer Zielgruppe, die sehr stark auf natürliche Zutaten achten und für die klassische Fleischersatzprodukte aufgrund ihrer hohen Verarbeitung und wegen der Verwendung vieler Zusatzstoffe nicht infrage kommen. Da sind wir so ein bisschen die Antithese mit: „Ja, wir haben zwar noch Fleisch drin, dafür ist es halt einfach gut und alles ist natürlich.“

Wo steht ihr jetzt im Moment?

Anfang des Jahres haben wir begonnen, an unserem Produkt zu arbeiten. Vor einem Monat haben wir unser Produkt auf den österreichischen Markt gebracht. Man bekommt es in einem der besten Burger-Lokale Wiens. In den nächsten Monaten wollen wir auch auf den deutschen und den Schweizer Markt. Gleichzeitig möchten wir unsere Produktpalette erweitern und auch daran arbeiten, den bisherigen Fleischanteil noch mehr zu senken.

Was sind eure derzeit größten Herausforderungen?

Unser Produkt ist ein komplexes Produkt, das es in der Form noch nicht gibt. Das bedeutet viel Überzeugungsarbeit. Wenn ich fünf Minuten mit einem Fleischesser habe, dann kann ich ihn davon überzeugen, dass unser Produkt eine gute Sache ist. Das Problem ist: Ich kann nicht mit jedem Menschen auf der Welt fünf Minuten Zeit verbringen. Deshalb müssen wir unsere Kommunikation so gezielt ausrichten, dass wir auch den größten Fleischesser davon überzeugen, unser Produkt zu probieren.

Was ist eure Zukunftsvision?

Wir glauben, dass Fleisch irgendwann im Bioreaktor aus Zellen hergestellt wird – sogenanntes In-vitro-Fleisch. Wir sehen uns als den Key-Enabler für diese Technologie. Denn: Dieses Fleisch wird mit Sicherheit nicht pur auf den Markt kommen können, weil es zu teuer sein und noch nicht die nötige Textur, den richtigen Geschmack und die gewohnte Optik haben wird. Das heißt, dass man dieses Fleischprodukt ebenfalls mit pflanzlichen Zutaten vermischen muss. Dafür haben wir das Know-how und auch die perfekte Brand. Sobald das In-vitro-Fleisch auf den Markt kommt, brauchen wir sozusagen nur einen Hebel umlegen, und können das konventionelle Fleisch durch das In-vitro-Fleisch ersetzen.

Wie hat euch EIT Climate-KIC auf eurem bisherigen Weg geholfen?

EIT Climate-KIC war einer der Gründe, warum wir alle Full-time gegangen sind. Das hat uns den letzten Motivationsschub gegeben. Und natürlich hat es uns auch geholfen, Dinge zu strukturieren und schneller zu machen. Wichtig war auch das ganze Mentoring. EIT Climate-KIC war in den letzten sechs Monaten einfach ein super Sparringspartner.

 
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